Was sind Chlamydien, wie stehen die Heilungschancen und wie wird die Geschlechtskrankheit übertragen?

Chlamydien

Chlamydien

Die in der Alltagssprache als „Chlamydien“ bekannte Erkrankung wird durch die kleinen gramnegativen Bakterien Chlamydia trachomatis ausgelöst. Aufgrund ihrer geringen Größe vermutete man bis in die 60er Jahre, es handle sich bei den Erregern um Viren. In ihrem Entwicklungszyklus durchlaufen die Bakterien zwei Formen: Elemantarkörperchen und Retikolarkörperchen. Nur die Retikolarkörperchen können sich mithilfe einer Wirtszelle und deren Stoffwechsels im Inneren des menschlichen Körpers vermehren. Finden die Bakterien gerade keinen Wirt, verharren sie als Elementarkörperchen. Sie haben keine Stoffwechselfunktionen und vermehren sich nicht, können so aber auch osmotischen Veränderungen und Austrocknung standhalten. 

Laut der WHO sind Chlamydien die weltweit am meisten verbreitete sexuell übertragbare Krankheit nach Trichomonas Vaginalis. Daten des Robert Koch-Instituts besagen, dass auch in Deutschland die Infektionsrate hoch liegt. Prävalenz in Deutschland für Chlamydien (Robert Koch-Institut)

  • 4,4 % der sexuell aktiven 17-jährigen Frauen
  • 4,5 % der 18 bis 19-jährigen Frauen
  • 4,9 % der 25 bis 29-jährigen Männer

Eine Reihenuntersuchung in Berlin ergab sogar in 10 % der untersuchten 17-jährigen eine Chlamydien-Infektion.

Generell betreffen bei Großstudien etwa 75 % der Fälle Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Statistisch gesehen sind Frauen häufiger betroffen als Männer, was wahrscheinlich vor allem an der höheren Untersuchungsrate bei Frauen liegt, die durch Überwachungsprogramme und Schwangerschaften zu Stande kommt. Bei Studien in den Vereinigten Staaten, im Center of Desease Control in Atlanta, wurden sogar bei einem Drittel der Frauen unter 25 Jahren Chlamydien festgestellt.

Die Übertragung der Krankheit

Chlamydien werden vorwiegend sexuell übertragen. Hier besteht, den erhobenen Daten zu Folge, kein nennenswerter Unterschied im Übertragungsrisiko zwischen homosexuellem und heterosexuellem Geschlechtsverkehr. 94, 9 % der Ansteckungen fanden bei heterosexuellem Geschlechtsverkehr statt, während bei 4,96 % der Studienteilnehmer die Ansteckung zwischen homosexuellen Männern geschehen war.

Die Erreger der Krankheit sind in den Schleimhäuten zu finden und können so bei allen sexuellen Praktiken übertragen werden. Die Schleimhäute der Harnröhre, die Vagina, die Scheidenflüssigkeit, der Gebärmutterhals, der Rachen und der Enddarm können bei Infizierten ebenso die Krankheitserreger aufweisen, wie Sperma, der Lusttropfen und der Urin.

Am häufigsten wird die Krankheit durch ungeschützten Vaginal- und Analverkehr übertragen. Trotzdem bieten auch ein Kondom oder ein Femidom keinen absoluten Schutz gegen Ansteckung. Auch bei der Geburt können Chlamydien von der Mutter an das Kind übertragen werden. Viel seltener sind Infektionen des Fötus in der Gebärmutter während der Schwangerschaft. Babys, die sich bei der Geburt mit Chlamydien anstecken, können schwere Lungenentzündungen sowie Augenentzündungen erleiden, die bis zur Erblindung führen können.

Symptome bei einer Infektion mit Chlamydien

Der Verlauf der Infektion verläuft oft asymptomatisch. 80 % der Frauen und 50 % der Männer erfahren nichts von der Ansteckung, da sie keinerlei Beschwerden erleben. Treten Beschwerden auf, geschieht dies meistens etwa drei Wochen nach der Ansteckung. Zu den Symptomen gehören:

  • Schmerzen beim Wasserlassen und eitriger Ausfluss bei Männern
  • Rote Flecken an den Genitalien 
  • Schmerzen oder ein schweres Gefühl im Unterbauch 
  • Genital- und Schamjuckreiz 
  • Vaginaler Ausfluss bei Frauen 
  • Schmerzhafter Geschlechtsverkehr bei Frauen (Dyspareunie) 
  • Schmerzen in den Hoden bei Männern 
  • Rektale Schmerzen bei Männern und Frauen 
  • Vergrößerung der Leistenlymphknoten

Bleibt die Krankheit unbehandelt, können langfristige Schäden entstehen. Beim Mann treten Entzündungen der Prostata, der Harnröhre und der Nebenhoden auf, was zu Sterilität führen kann. Bei einer akuten Infektion können Arthritis in verschiedenen Gelenken und Sehnenscheidenentzündungen vorkommen, selten tritt das Reiter-Syndrom auf.

Es wird vermutet, dass eine Infektion mit Chlamydien die Ansteckung mit weiteren sexuell übertragbaren Krankheiten favorisiert. Bei Frauen kann eine unbehandelte Infektion mit Chlamydien in 10 – 40 % der Fälle eine aufsteigende Infektion verursachen. Die Entzündung kann die Harnröhre sowie die Bartholinischen Drüsen erreichen. Auch der Gebärmutterhals und die Eileiter können befallen werden.

Eine so länger anhaltende Entzündung kann zum Verkleben der Eileiter führen und Verwachsungen im Unterbauch auslösen. Dies kann nicht nur zu chronischen Schmerzen, sondern auch zu Unfruchtbarkeit führen. Eine schwedische Studie zeigte, dass das Risiko für Unfruchtbarkeit bei einer Infektion mit Chlamydien ungefähr 7 % ist. Auch Eileiterschwangerschaften sind mit 3 % wahrscheinlicher als bei nicht infizierten Frauen. Bei der Ansteckung mit Chlamydien während der Schwangerschaft erhöht sich das Risiko einer Frühgeburt.

Diagnose, Behandlung und Heilung

Die Diagnose der Krankheit ist oft schnell und einfach: 

  • Ein Vaginal- und Zervix-Abstrich bei Frauen, Harnröhren- oder Analabstrich bei beiden Geschlechtern. 
  • Ein Urinkulturtest für Männer und Frauen zum Nachweis des Vorhandenseins des Bakteriums. 

Manchmal ist die Diagnose schwieriger und wird durch Laparoskopie durchgeführt. Der Eingriff ermöglicht die Identifizierung von Verwachsungen in den Beckenorganen und Veränderungen der Eileiter und Eierstöcke infolge des akuten oder chronischen Entzündungsprozesses können erkannt werden. In Deutschland wird der jährliche Urintest zur Feststellung einer Chlamydien-Infektion für Frauen unter 25 Jahren von der Krankenkasse bezahlt.

Behandlung

Die Krankheit wird mit speziellen Antibiotika behandelt, die für zwei Wochen eingenommen werde. Diese heilen zwar die Bakterieninfektion, können jedoch bereits entstandene Schäden an den Organen nicht rückgängig machen.

Prävention

Die Benutzung von Kondomen und Femidomen senkt das Risiko einer Ansteckung, schützt aber nicht vollkommen. Deshalb sollten sich Menschen mit oft wechselnden Sexualpartner*innen von ihrem Arzt beraten lassen und regelmäßige Tests in Erwägung ziehen. So kann eine eventuelle Ansteckung frühzeitig erkannt und behandelt, und ein Weitergeben der Krankheit an andere verhindert werden.

 

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