Was ist Syphilis, wie stehen die Heilungschancen und wie wird die Geschlechtskrankheit übertragen?

Syphilis

Syphilis

Syphilis, auch als Lues venerea, harter Schanker und Morbus Schaudinn oder Schaudinn-Krankheit bekannt, ist eine sexuell übertragbare Infektion, die durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht wird. Weltweit ist Syphilis nach Chlamydien und Gonorrhoe die dritthäufigste bakterielle Geschlechtskrankheit.

Erstmals wurde der Ausbruch der Krankheit 1494 oder 1495 im italienischen Neapel während der französischen Invasion dokumentiert. Von daher stammt auch ihr weiterer Name „Franzosenkrankheit“. Im Jahr 1526 erfand der französische Arzt Jacques de Béthencourt die Bezeichnung Morbus veneris („Krankheit der Venus“), um die Krankheit nicht weiter mit Frankreich in Verbindung gebracht zu sehen.

Erst 1905 wurde das für die Erkrankung mit Lues venerea verantwortliche Bakterium Treponema pallidum erstmals von Fritz Schaudinn und Erich Hoffmann identifiziert. Fakt ist, dass der genaue Ursprung des Bakteriums auch heute nicht vollständig geklärt ist und noch immer erforscht wird. 

Die Prävalenz von Syphilis in Deutschland

Deutschland ist eines der am meisten von der Verbreitung von Syphilis betroffenen europäischen Ländern. Zwischen dem Jahr 2007 und dem Jahr 2017 haben sich die Fälle der Erkrankung von 4 auf 9,1 Fälle pro 100.000 Einwohner mehr als verdoppelt. Das entspricht 7473 Infektionen in Deutschland. Die Krankheit ist in der Schweiz meldepflichtig, in Österreich bedingt meldepflichtig, während in Deutschland keine Meldepflicht mehr für Syphilis besteht.

Die Übertragung von Syphilis

Die Infektion wird normalerweise durch sexuellen Kontakt (einschließlich genitalem Kontakt, oralem Geschlechtsverkehr und analem Geschlechtsverkehr) übertragen. Sie kann jedoch auch auf nicht sexuellem Wege, durch Hautkontakt und Küsse oder transplazentar übertragen werden und so eine angeborene Syphilis verursachen. Das Übertragungsrisiko beträgt etwa 30 Prozent für jeden ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem von primärer Syphilis betroffenen Patienten. 

Angeborene Syphilis 

Die Treponema-Bakterien können ungefähr ab der 20. Schwangerschaftswoche die Barriere der Plazenta überwinden und so den Fötus im Uterus einer schwangeren Frau infizieren. Die Ansteckung kann eine Fehlgeburt oder eine angeborene Syphilis beim Kind zur Folge haben. Das Übertragungsrisiko zwischen Schwangerer und Fötus liegt bei 60–80 Prozent.

Die Erkrankung mit Syphilis verleiht keine Immunität gegen nachfolgende Reinfektionen.

Die Symptome der Syphilis

Die Syphilis entwickelt sich in mehreren Stadien. 

Primärstadium

Zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome können 10 bis 90 Tage vergehen. Das Primärstadium ist durch das Vorhandensein eines Geschwürs (Syphiloms) gekennzeichnet, das an den Genitalien, am Anus, im Mund oder im Hals auftreten kann und als knotiges, abgerundetes, dunkelrotes Geschwür erscheint. Das Erscheinen von Syphilomen an anderen Stellen als den Genitalien ist seltener und im Allgemeinen schmerzhafter. Das Geschwür heilt innerhalb von 3–6 Wochen spontan, aber die Krankheit setzt schleichend ihren Verlauf fort. 

Sekundärstadium

Nach 2–8 Wochen weicht das Primärstadium dem Sekundärstadium (sekundäre Syphilis). Rosafarbene Flecken entstehen auf der Haut, die Lymphknoten schwellen an und verhärten sich. Auch Fieber, Halsschmerzen, Magen-Darm-Störungen und Knochenschmerzen sind weitere mögliche Symptome. Auch ohne Behandlung verschwinden die Beschwerden der sekundären Syphilis generell innerhalb von vier Monaten, doch wenn sie nicht behandelt werden, geht die Infektion in das latente Stadium über. 

Latente Syphilis

In diesem Stadium, das bis zu zwei Jahre dauern kann, fehlen die Symptome, aber die Person ist immer noch krank. Die meisten Menschen erholen sich, wenn sie richtig behandelt werden. 

Spätstadium

Es tritt viele Jahre, auch Jahrzehnte, nach der Infektion auf, wenn die Krankheit nicht behandelt wurde. Jedes Organ kann betroffen werden. Die schwerwiegendsten Manifestationen, die zum Tod führen können, betreffen das Herz-Kreislauf-System und das Zentralnervensystem, während die milderen die Haut betreffen. In diesem Stadium können auch Knochen, Sehnen, Magen, Leber, Milz und Lunge betroffen sein. 

Diagnose, Behandlung und Heilung

Die Diagnose erfolgt über die Identifizierung der durch die Infektion induzierten Antikörper ab dem frühesten Stadium: Es ist möglich, IgM-Antikörper ab der zweiten Woche nach der Infektion und IgG-Antikörper ab der vierten Woche nachzuweisen. Zum Zeitpunkt des Einsetzens der Symptome sind die meisten Patienten sowohl für IgM als auch für IgG positiv.

In den Industrieländern sind fortgeschrittene Formen der Syphilis selten und werden deshalb oft nicht erkannt. Je nach erreichtem Stadium der Krankheit werden verschiedene Arten der Therapie gewählt und entsprechend Antibiotika verabreicht. Hier kann es in etwa 50 Prozent der Fälle zwei bis acht Stunden nach der Behandlung zu einer Jarisch-Herxheimer-Reaktion kommen. Die abgestorbenen und sich zersetzenden Syphilis-Bakterien setzen im Körper Giftstoffe frei, was zu einer Reihe von Symptomen führen kann. Schüttelfrost, Fieber und Hautausschläge können durch die Gabe von Kortison vor der Antibiotikabehandlung vermieden werden. Auch der Partner oder die Partnerin müssen mitbehandelt werde, regelmäßige spätere Kontrolluntersuchungen sind notwendig.

Prävention

Die Prävention basiert auf der Verwendung von Kondomen in allen gelegentlichen sexuellen Beziehungen mit allen Partnern und Partnerinnen deren Gesundheitszustand unbekannt ist. Darüber hinaus ist es wichtig, die Anzahl der Sexualpartner zu verringern und im Zweifelsfall sofort einen Arzt aufzusuchen. Der Geschlechtsverkehr während der Erkrankung mit Syphilis und während deren Behandlung muss vermieden werden.

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