Was ist HIV, wie stehen die Heilungschancen und wie wird die Geschlechtskrankheit übertragen?

HIV / AIDS

HIV/Aids

Das 1981 erstmals in der wissenschaftlichen Literatur erwähnte Acquired Immunodeficiency Syndrome, auch bekannt als AIDS, stellt das klinische Endstadium der durch HIV (Human Immunodeficiency Virus) verursachten Infektion dar.

HIV ist ein RNA-Virus, das zur Familie der Retroviren gehört, die einen absolut einzigartigen Replikationsmechanismus aufweisen. Dank eines spezifischen Enzyms, der reversen Transkriptase, können Retroviren ihren RNA-Genpool in eine doppelsträngige DNA umwandeln. Diese setzt sich in die DNA der infizierten Zelle ("Wirtszelle" oder "Zielzelle" genannt) ein und steuert von dort aus die Produktion neuer Viren.

Die Hauptzielzellen von HIV sind bestimmte Zellen des Immunsystems. Eine HIV-Infektion führt daher zu einer fortschreitenden Schwächung des Immunsystems (Immunsuppression), was das Risiko von Tumoren und Infektionen durch Viren, Bakterien, Protozoen und Pilze erhöht.

Die Übertragung von HIV

Die Prävalenz der Infektion mit HIV in der Weltbevölkerung ist seit dem Jahr 1990 von 0,3 Prozent der 15-49-jährigen auf 0,7 Prozent im Jahr 2019 gestiegen.
Es gibt drei Übertragungswege für HIV: die Übertragung über Geschlechtsverkehr, über Blut und zwischen Mutter und Fötus.

Die sexuelle Übertragung ist die weltweit häufigste Art der Übertragung von HIV-Infektionen. Sowohl heterosexueller als auch homosexueller Geschlechtsverkehr, kann eine Ursache für die Übertragung der Infektion sein. Die Ansteckung erfolgt durch Kontakt zwischen infizierten biologischen Flüssigkeiten (Vaginalsekrete, Lusttropfen, Sperma, Blut) und den Schleimhäuten. Eine Übertragung ist auch dann möglich, wenn die Schleimhäute intakt sind.

Die Übertragung durch Blut erfolgt durch Transfusionen von infiziertem Blut oder durch den Austausch infizierter Nadeln und Spritzen. In den 1980er Jahren, als weniger Wissen über die Ausbreitung des Virus vorhanden war, wurden mehrere Personen nach Transfusionen von infiziertem Blut oder nach der Verabreichung seiner Derivate mit HIV infiziert. Seit 1990 wurde diese Art der Übertragung dank einer sorgfältigen Kontrolle der Blutkonserven, der Wärmebehandlung von Blutprodukten und der sorgfältigen Auswahl der Spender praktisch beseitig.

Die Übertragung von der Mutter auf das Kind, die als vertikale Übertragung bezeichnet wird, kann während der Schwangerschaft, während der Geburt oder während des Stillens erfolgen. Das Risiko für eine HIV-positive Frau, die Infektion auf den Fötus zu übertragen, liegt bei etwa 20 Prozent. Derzeit wird dieses Risiko durch die Verabreichung eines antiviralen Arzneimittels (Zidovudin) an die Mutter während der Schwangerschaft und an das Neugeborene in den ersten sechs Lebenswochen auf unter 2 Prozent reduziert. 

Die Symptome

Die Infektion mit HIV und die folgende Erkrankung mit Aids verlaufen in Phasen. Nach der Infektion ist es möglich, jahrelang ohne Symptome zu leben. Die Infektion mit HIV wird erst dann bekannt, wenn eine Krankheit auftritt. Der HIV-Test ist jedoch auch ohne Symptome positiv und ist somit lange Zeit der einzige Weg, um die Infektion zu entdecken. Diese asymptomatische Periode kann mehrere Jahre dauern, bis die Krankheit aufgrund des Ausbruchs eines oder mehrerer sogenannter "Indikatoren für AIDS" offenkundig wird. Dazu gehören:

Protozoen (Pneumocystis carinii), die für Lungenentzündung verantwortlich sind Toxoplasma gondii, die Toxoplasmose verursacht. Eine Krankheit, die das Gehirn, das Auge und selten die Lunge betrifft  Bakterien, insbesondere Mycobacterium tuberculosis, die für Tuberkulose verantwortlich sind Viren, einschließlich Herpes simplex und Cytomegalovirus Pilze wie Candida albicans, die verschiedene Körperteile befallen können, insbesondere Mund, Speiseröhre und Lunge. 
Zu den Krankheiten, die auf AIDS hinweisen, gehören auch verschiedene Arten von Tumoren, insbesondere Lymphome, Kaposi-Sarkom und Gebärmutterhalskrebs.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt durch einen HIV-Test. Zwischen dem Zeitpunkt der Infektion und des positiven Resultats durch den HIV-Test gibt es eine Periode, die als "Fensterperiode" bezeichnet wird. Diese kann einige Wochen dauern. Während dieser Zeit wird der HIV-Test ein negatives Resultat anzeigen, während die infizierte Person jedoch bereits andere Menschen anstecken kann.

Behandlung und Heilungschancen

Nach der Entdeckung der Krankheit in den 80er Jahren gab es keine wirksamen Therapien für die Infektion mit HIV. Heute können Patienten, die mit HIV infiziert sind, ein normales Leben führen und auf eine Lebenserwartung hoffen, die derjenigen von nicht infizierten Menschen entspricht. HIV wird so zu vom einstigen Todesurteil zu einer chronischen Krankheit.

Derzeit wird HIV-positiven Menschen eine hochwirksame Therapie namens Haart (Higly Active Anti-Retroviral Therapy) angeboten, die aus der Kombination verschiedener antiretroviraler Medikamente besteht. Es sollte jedoch berücksichtigt werden, dass die derzeitigen therapeutischen Strategien, obwohl sie sehr effektiv sind, keine Heilung von der Infektion zulassen, sondern es lediglich ermöglichen, sie unter Kontrolle zu halten.

Prävention

Seit Jahrzehnten wird an einem Impfstoff für HIV gearbeitet. Obwohl der Durchbruch schon öfter fast geschafft schien, ist heute noch kein wirksamer Impfstoff für die Ansteckung mit HIV auf dem Markt. Um die Ansteckung über Blut zu vermeiden, sollte die mehrmalige Nutzung von Nadeln oder anderem Injektionsmaterial vermieden werden. Auch bei Tätowierungen, Akupunktur und Piercings sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass ausschließlich Einwegmaterial verwendet wird.

Während jeder Art von sexuellen Praktiken (Vaginalverkehr, Oralverkehr, Analverkehr) sollte stets ein Kondom benutzt werden, wobei dessen korrekte Anwendung von größter Wichtigkeit ist. Einen absoluten Schutz gegen die Ansteckung mit HIV bietet lediglich die sexuelle Enthaltsamkeit oder der ausschließliche monogame Geschlechtsverkehr mit einem Partner, der im Abstand von mehreren Wochen mehrmals HIV-negativ getestet wurde.

Paare, die ein Kind haben möchten, sollten sich dem HIV-Test unterziehen, um eine Übertragung auf das ungeborene Kind zu vermeiden, falls einer der beiden Elternteile positiv sein sollte.

 

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